RALF KURZ

 

Das letzte Jahr der Händler

 

Roman (Liebesgeschichte / Drama)

 

eBook (Kindle Edition)

ca. 292 Seiten

AMAZON (2012)

ASIN: B008ESY7Y0

 

Preis: 2,98 EUR

 

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Ein Qindie-eBook, ausgezeichnet mit dem "Q" für geprüfte Qualität!

 
 

Inhalt

 
       
 

Pekunius Kaufmann, ein Modellbahnhändler, der kurz vor seinem sechzigsten Geburtstag steht, ist seit Jahr und Tag mit seinem Geschäft verheiratet. Das ruhige, gleichförmige Leben des Alleinstehenden ändert sich schlagartig, als Veronica Cornelius, die verlassene Ehefrau eines Vereinskollegen, seinen Laden betritt. Pekunius verliebt sich, was er angesichts seines fortgeschrittenen Alters nicht mehr für möglich gehalten hätte. Zuerst kommen ihm moralische Bedenken, doch nachdem er seine Zweifel über Bord geworfen hat, entwickelt sich langsam eine romantische Liebesgeschichte.

 

Während sich das private Leben des Kaufmanns zunächst positiv entwickelt, muss er beobachten, wie seine Nachbarn - allesamt Einzelhändler - nach und nach die Segel streichen müssen. Ein Nähmaschinengeschäft muss ebenso schließen wie ein Lebensmittelladen; einem Radio- und Fernsehhändler steht ein Umzug bevor und der italienische Blumenverkäufer geht in seine Heimat zurück. Innerhalb eines Jahre zerfällt die Gemeinschaft der Händler.

 
 

"Das letzte Jahr der Händler" ist ein leiser, literarischer Roman, der sich mit der Frage nach den Ursachen und Wirkungen des Einzelhändlersterbens in den deutschen Innenstädten beschäftigt. Gleichzeitig beschreibt das Buch, dass es für das "Sich-verlieben" keine Altersgrenze gibt.

 

 
       
     
  Rezension bei Amazon (verfasst von Michaela Retetzki, 02.11.2013)

 

Das Leben des Modelbahnhändlers Pekunius Kaufmann verändert sich, als mehrere Einzelhändler in seiner Straße ihr Geschäft aufgeben müssen. Es sind nicht nur Kollegen, es sind Nachbarn, es sind Freunde. Die Geschäftsaufgaben erfolgen durch die wirtschaftliche Lage, durch die große Konkurrenz der Konzerne. Auch durch Umstrukturierung, aus der Hauptstraße wird eine Fußgängerzone, dadurch ist es manchem Einzelhändler nicht mehr möglich, die gestiegenen Kosten weiter zu tragen, bisherige Kundschaft zu halten. Der angebliche Fortschritt ist letztendlich ein gewaltiger Rückschritt, kleine Einzelhändler müssen den Kampf um ihre Existenz aufgeben.

 

Zeitgleich erfährt der fast 60jährige Pekunius, dass man sich auch in seinem Alter noch verlieben kann. Lange Zeit hadert er mit sich, aber er kann seine moralischen Bedenken über Bord werfen.

 

Ein leiser, literarischer Roman, der einschlägt und tief bewegt. Es sind nicht nur die Themen Einzelhändlersterben und Liebe im Alter, es geht hier auch um Menschlichkeit, um Vergangenheit und Gegenwart, um Zeit füreinander und egoistische Ignoranz. Die Zeiten haben sich geändert, früher schaute man auf seinen Nachbarn, hatte ein offenes Ohr füreinander. Heute zählen diese Werte in der Gesellschaft kaum noch, jeder ist sich selbst am nächsten. Hinzu kommt, dass ein 'Aus' des Einzelhandels nicht nur das Geschäft als solches betrifft, sondern auch Arbeitslosigkeit, Armut, Einsamkeit und den Verlust des Lebensmuts, des Selbstwertgefühls hervorruft.

 

Der Schreibstil von Ralf Kurz ist sehr sensibel, voller Metaphern und schlichtweg fesselnd. Mit leisem Ton, aber sehr eindringlich beschreibt er die Gefühle und Gedanken von Pekunius, die Zweifel bezüglich seiner Liebe zu Veronica. Er schildert die Schuldgefühle, mit denen sich Pekunius plagt, und bei so mancher Szene musste ich böse schlucken, so tief war ich in der Geschichte drin.

 

Eine mehr als nur sozialkritische, berührende, tiefgehende, traurige und auch Hoffnung gebende Geschichte. Hoffnung darauf, Menschen wie Pekunius in seiner Nähe zu wissen. Menschen, denen der Freund, der Nachbar, der Kollege nicht egal ist. Menschen, die füreinander da sind.

 

Ein großartiger Roman, der nachwirkt und nicht so schnell vergessen werden kann.

 

 

 
  Leseprobe  
       

 

Eine Weile wanderte er auf dem Höhenzug in der Sonne, bevor er wieder in den dunklen und angenehm kühlen Wald eintauchte, in dem der Höhe wegen fast ausschließlich Nadelbäume standen. Aus der Ferne betrachtet konnten sie in ihrer Undurchdringlichkeit fast schwarz erscheinen, was dem Wald vermutlich seinen Namen eingebracht hatte. Der breite Forstweg ermöglichte ein angenehmes Gehen und da Pekunius nicht ständig konzentriert auf einen sichern Schritt achten musste, sperrte er sich nicht länger gegen den Gedanken an Veronica. Es wäre ihm lieb gewesen, sie an seiner Seite zu haben und er spürte eine leise Sehnsucht nach ihr. Das bittersüße Gefühl ließ ihr Bild in seinen Gedanken erscheinen. Er hatte sich vorgenommen, eine Antwort zu finden und so löste er sich von allem Bekannten und Vertrauten. In der friedvollen Atmosphäre des Waldes weitete sich seine Seele. Er liebte Veronica, daran bestand kein Zweifel. Wenn er in ihrer Nähe war, fühlte er sich beschwingt. Wenn sie ihn ins Vertrauen zog und sich um Hilfe bittend an ihn wandte, erwachte der Mann in ihm, der sie beschützen wollte. Wenn sie zusammen wanderten und dabei über Wichtiges und Nichtiges philosophierten, dann hatte er das Gefühl, als sei er ganz, vollständig und angekommen. Erst die Abwesenheit von Veronica machte ihm bewusst, dass ihm etwas fehlte, was er zuvor selten vermisst hatte. Durch das Zusammensein mit ihr hatte sich ihm ein neues Land erschlossen, ein neuer Kontinent, eine neue Welt. Sein Herz schlug kräftiger, wenn sie sich bei ihm einhakte. Es wurde wärmer, wenn er sie ansah und sie mit einem Lächeln antwortete. Er wollte sie bei sich haben, er wollte sie in seine Arme nehmen, er wollte über sie wachen, wenn sie schlief und er wollte sie von Horst befreien!

Der Gedanke an seinen Vereinskollegen war wie das schrille Klingeln eines alten Telefons. Der erhobene Zeigefinger seines moralischen Weltbildes deutete auf die selbst gesteckte Grenze. Veronica war die Frau eines anderen Mannes, noch dazu von jemandem, mit dem er persönlich bekannt war. Wenn er eine feste Beziehung mit ihr begann, hinterging er Horst, doch wenn er ihn zuvor in Kenntnis setzte, erniedrigte er sich selbst, weil er damit quasi um Erlaubnis bat. Er fühlte sich plötzlich beengt. Der Gedanke an Veronicas Mann hatte eine Mauer errichtet, die etwas einzwängte, was nach Ausdehnung rief. Allein Horst war dafür verantwortlich, dass Pekunius sich mit einem Mal wie in einem Gefängnis fühlte.

„Was für ein dämlicher Gedanke“, sagte er leise zu sich selbst.
  

 

Er blieb unvermittelt stehen und schüttelte den Kopf. Es war Unsinn, Horst dafür verantwortlich zu machen. Er, Pekunius, er ganz allein musste den Mut haben, nicht nur eine Entscheidung zu treffen, sondern auch dazu zu stehen. Nicht Horst engte ihn ein, sondern er sich selbst. Es gab keinen Grund, auf Horst Rücksicht zu nehmen. Veronicas Mann hatte sich längst für eine andere Frau entschieden und wohnte bei ihr. Die Ehe mit Veronica war nur noch eine Formalie mit begrenzter Haltbarkeit. Dass Horst noch immer einen großen Raum in ihren Gedanken einnahm, war in der Situation unvermeidlich, doch er, Pekunius, war Manns genug, ihn nahezu vollständig zu vertreiben. Wenn er sich Veronica erklärte und sie „ja“ sagte, dann würde auch sie sich im Lauf der Zeit von dieser Fessel befreien. Er musste es nur wagen – und er würde es tun!

Pekunius nahm seinen Schritt wieder auf. Er hatte soeben eine Entscheidung getroffen und hätte sich rundum glücklich fühlen sollen, doch merkwürdigerweise stellte sich dieses Gefühl nicht ein. Es schien, als habe sich die Mauer aufgelöst und dennoch spürte er deutlich, dass er noch nicht zu der erhofften Freiheit gelangt war. Ein diffuses Unwohlsein begleitete seinen Entschluss wie das schlechte Gewissen eine Lüge. Er blieb erneut stehen und sah sich um. Nichts regte sich. Es war still, abgesehen vom vereinzelten Zwitschern eines Vogels. Pekunius lauschte der Stille und als das entfernte Hämmern eines Spechts an sein Ohr drang, war es, als ob jemand „Achtung!“ geflüstert hätte. Er wagte kaum zu atmen und wartete. Etwas, von dem er noch nicht wusste, was es war, stand unmittelbar bevor. Das Gefühl war überdeutlich. Mit offenen Augen und Ohren und an nichts Bestimmtes denkend verharrte er reglos. In diesem Augenblick traf ihn die Erkenntnis. Sie war zugleich heiß und kalt, anziehend und abstoßend und sie war gleißend hell. Es war der Widerstreit zwischen völliger Aufrichtigkeit sich selbst gegenüber und seiner Angst. Erst seine Offenheit erlaubte ihm, das Gefühl wahrzunehmen, das die Erklärung für sein zuvor empfundenes Unwohlsein lieferte. Seine Annahme, dass seine moralischen Bedenken die Schwierigkeit gewesen waren, die zu überwinden er sich entschlossen hatte, war schlicht falsch. Deshalb hatte sein Entschluss auch nicht zu dem erwarteten Hochgefühl geführt. Der wahre Grund, das wahre Hindernis, war seine Angst. Er fürchtete sich davor, von Veronica eine abschlägige Antwort erhalten zu können.