RALF KURZ

 

Der Diplomat

 

Historischer Roman über den wittelsbachischen Minister und Staatsmann Johann Christian Freiherr von Hofenfels (1744 - 1787) und sein Kampf für die Freiheit Bayerns

 

 
 

Gebundene Ausgabe

510 Seiten

Schillinger Verlag (2008)

ISBN: 978-3-89155-343-9

 

Preis: 24,50 EUR

 

 

eBook (Kindle Edition)

612 Seiten

AMAZON (2012)

ASIN: B008LYE1QG

 

Preis: 4,97 EUR

 

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Inhalt

 
       
 

Zu Beginn des Jahres 1778 marschieren österreichische Truppen in Bayern ein. Der bayerische Kurfürst Carl Theodor und sein Neffe, Thronfolger Herzog Carl August von Pfalz-Zweibrücken, sollen aus dem Land gedrängt werden. Kaiser Joseph II. will sich damit die Vormachtstellung in Europa sichern.

  Hofenfels erkennt die Gefahr für das Haus Wittelsbach und bringt die Sache vor den Reichstag. In Friedrich dem Großen, König von Preußen, gewinnt er einen mächtigen Verbündeten. Da Österreich seine Truppen nicht abziehen will, kommt es zum Bayerischen Erbfolgekrieg, der 1779 mit dem Frieden von Teschen endet, ohne dass es zu einer militärischen Entscheidung gekommen war. Man nimmt die Truppen von den Schlachtfeldern und schickt die Diplomaten aufs Parkett.

Zehn Jahre lang kämpft Hofenfels als treuer und pflichtbewusster Minister für die Zukunft des Hauses Wittelsbach gegen die Habsburger und ihre Verbündeten Frankreich und Russland. Im Kampf um die Macht werden dabei alle Register gezogen - Drohung, Erpressung, Sex, Macht, Orden, Titel, Bestechung und Verrat - doch er widersteht allen Versuchen und Versuchungen und legt die Grundlagen für das spätere bayerische Königreich.

  Ihm zur Seite steht seine Frau Friederike (Riki) von Closen. Im Geist der Aufklärung verfolgen sie, wie der Begriff der "Freiheit" Europa wie ein Flächenbrand überzieht, während in Frankreich die Vorboten der Revolution bereits deutlich spürbar sind.

 
 

Der Diplomat ist ein mit großem Aufwand sorgfältig recherchierter Roman, an dem ich mehr als zwei Jahre gearbeitet habe. Er beschreibt eines der spannendsten und wichtigsten Kapitel pfälzisch-bayerischer Geschichte. Ohne die herausragende Leistung des Freiherrn von Hofenfels hätte es keinen bayerischen König (und heute keinen bayerischen Freistaat) gegeben.

 

 
       
  Leseprobe  
       
 

 

Hofenfels hatte sich am Abend von Carl August verabschiedet und war sichtlich erleichtert und höchst zufrieden zurück nach Moosach gefahren. In dieser Nacht schlief er ausgezeichnet und erwachte am nächsten Morgen ganz gegen seine Gewohnheit erst um elf Uhr. Bei seinem späten Frühstück leistete ihm Herzogin Marianne Gesellschaft und die beiden ergingen sich in allerhand Spekulationen, wie die Nacht im Schloss Nymphenburg verlaufen sein, wer geschlafen und wer wohl kein Auge zugetan haben mochte.
  Am Nachmittag fuhr Hofenfels wieder zum Schloss. Carl August war mit Esebeck und seinem gesamten Gefolge am frühen Morgen abgereist. Weder Herzog noch Minister hatten eine Begründung für den überraschenden Aufbruch geliefert und so sah das gesamte diplomatische Corps dem Eintreffen von Hofenfels entgegen, der bei seiner Ankunft als erstes um eine Audienz beim Kurfürsten nachfragte. Zu seiner Überraschung wurde sie aber nicht gewährt und so machte er sich auf, um dem österreichischen Gesandten einen Besuch abzustatten.
  Lehrbach hatte ihn bereits erwartet und konnte seine Ungeduld kaum verbergen. Hofenfels traf den Österreicher, der mit Diplomaten aus Frankreich und Russland zusammenstand und aufgeregt debattierte, im großen Saal. Als der Zweibrücker sich näherte, verstummte das Gespräch. Hofenfels bereitete es ausnahmsweise kein Missvergnügen, sich der französischen Sprache bedienen zu müssen und er begrüßte die Anwesenden liebenswürdig.
  „Nun, Monsieur?“, fragte Lehrbach, dem der Zorn auf die Stirn geschrieben stand, „Sie werden uns jetzt sicherlich erklären können, warum Herzog Carl August so überraschend und eilig abgereist ist, nicht wahr?“
  Hofenfels ließ seinen Blick freundlich lächelnd über die Gesichter der Anwesenden schweifen. Belustigt stellte er fest, dass sich die anderen Diplomaten im Saal langsam und mehr oder weniger unauffällig näherten. Der bayrische Minister Vieregg trat zu ihnen und stellte sich direkt neben den Österreicher. Hofenfels wartete noch eine kleine Weile. Niemand sprach und es war so still, als hätte ganz Nymphenburg den Atem angehalten, um seiner Antwort zu lauschen.
 

 

„Ich bedaure zutiefst“, erklärte er mit einer angedeuteten Verbeugung, „doch ich kann diese Erklärung nicht liefern.“
  Niemand reagierte, niemand sprach und wieder herrschte absolute Stille. Lehrbachs rotes Gesicht war eine Spur dunkler geworden und eine Ader an seiner Schläfe pochte kräftig. Es war nicht zu übersehen, dass es ihm Mühe bereitete sich zu beherrschen.
  „Es war...“, begann der Österreicher, doch seine Stimme war heiser und er musste sich erst räuspern, bevor er einen neuen Anlauf nehmen konnte, „ ... es war vorgesehen, dass Carl August in den Orden zum Goldenen Vlies aufgenommen wird.“
  „Aber ja“, stimmte Hofenfels zu und er war die Liebenswürdigkeit in Person, „Herzog Carl August ist überglücklich und betrachtet es als große Ehre, in diesem Orden der Habsburger Aufnahme zu finden. Er sieht der Verleihung auch mit dem allergrößten Vergnügen entgegen...“, Hofenfels fügte eine kleine Pause ein, als müsste er erst nach den richtigen Worten suchen, wobei es ihm in Wahrheit ein diebisches Vergnügen bereitete, den nächsten Satz mit dem allergrößten Bedauern auszusprechen.
  „...aber der Herzog bittet, die Aufnahme in den Orden solange aufzuschieben, bis die Originalurkunde des Kaisers Sigismund aus dem Jahre 1426 vorliegt, aus der hervorgeht, dass der Anspruch des Herzogs Albecht auf Niederbayern als österreichisches Lehen legitim war und aus der man die heutigen Ansprüche Österreichs auf Bayern zweifelsfrei ableiten kann.“
  „Die Originalurkunde?“, fragte Lehrbach heiser.
  „Ja“, bestätigte Hofenfels knapp.
  Die letzten Worte verhallten langsam und entschwebten. Es war, als würden noch zwei, drei Körnchen in der Sanduhr der Ewigkeit fallen, dann brach das aufgeregte Gemurmel der aus Gewohnheit leise sprechenden Diplomaten an allen Ecken und Enden gleichzeitig los. Jeder schien mit jedem zu sprechen und eine Neuigkeit verbreiten zu wollen, die doch schon alle im Saal kannten.

 

 

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Hofenfels verlangte die Vorlage des Originals einer vierhundert Jahre alten Urkunde, von der man nicht einmal zweifelsfrei annehmen konnte, ob sie überhaupt existierte und zog damit im Handstreich die Legitimation des österreichischen Vorgehens in Zweifel. Während Lehrbach ihn noch immer mit großen Augen fassungslos anstarrte, zog Hofenfels einen Umschlag aus der Innentasche seines Justaucorps hervor.
  „Bitte sehr“, sagte er und hielt dem Österreicher den Umschlag hin, „dies ist der Brief von Herzog Carl August an Seine Majestät, den Kaiser, mit der Bitte um die Vorlage der Urkunde des Kaisers Sigismund. Darf ich Sie freundlichst ersuchen, den Brief weiterzuleiten?“
  Wie ein Schlafwandler nahm Lehrbach den Brief entgegen. Er konnte sein Gesicht nicht von Hofenfels abwenden und zum ersten Mal erkannte er, mit wem er sich eingelassen hatte.
  „Und die Unterschrift unter die Konvention?“, stieß Vieregg in schneidendem Ton hervor.
  Die aufgeregten Unterhaltungen der Diplomaten endeten so schnell, wie sie begonnen hatten. Mit angehaltenem Atem erwartete man Hofenfels´ Antwort auf Viereggs Frage.
  Der Zweibrücker Minister hob die Augenbrauen und verharrte einen Moment, dann entspannten sich seine Gesichtszüge wieder. Als er antwortete, hatte seine Stimme noch immer diesen ausgesucht freundlichen Ton.
  „Es wäre mir sehr angenehm gewesen, dem Kurfürsten die Nachricht persönlich zu überbringen, doch unglücklicherweise scheint der Zeitpunkt für eine Audienz heute nicht zu passen. Ich habe einen Brief des Herzogs an den Kurfürsten, jedoch unterliege ich der Pflicht, den Brief persönlich übergeben zu müssen.“
  Hofenfels ließ die Katze noch nicht aus dem Sack. Man hatte ihn hier in München nicht freundlich behandelt, wofür in erster Linie Vieregg verantwortlich war. Jetzt gönnte sich der Zweibrücker Minister einen kleinen Augenblick des Triumphes, indem er den Bayer nach der Begründung fragen ließ.
  „Es liegt im Ermessen seiner Hoheit, des Kurfürsten“, sagte Vieregg kalt, „wann und wie er seine Audienzen gewährt. Darf ich Sie, Monsieur, aber trotzdem nach dem Inhalt des Briefes fragen, sofern dieser nicht geheim ist? Wie begründet Ihr Herzog seine Weigerung?“
 

 

Mein Herzog, dachte Hofenfels. Der Ausdruck hatte einen sonderbaren Klang, aber in dieser Situation fühlte er sich wie ein Orden an. Hofenfels sah Vieregg in die Augen. Der Bayer steckte mit den Österreichern unter einer Decke. Sie hatten Carl August einen Köder in den Rachen gestopft und mit ihm selbst das Gleiche versucht, nachdem sich ihre Drohungen als zwecklos erwiesen hatten. Jetzt drehte er den Spieß um und servierte ihnen einen Bissen, der ihren Appetit zügeln und ihnen stattdessen die Galle hochkommen lassen würde.
  Als Hofenfels dem bayrischen Minister antwortete, hatte seine Stimme alle Freundlichkeit verloren.
  „Mein Herzog“, betonte er, „sieht sich außerstande, der Konvention beizutreten. Er wird im Gegenteil die Frage des österreichischen Vorgehens seinen Mitständen vorlegen und damit seinem Protest Ausdruck verleihen.“
  „Seinen Mitständen?“, rief Vieregg aus und schnappte nach Luft, „Sie meinen, er wird...“
  „Ja“, bestätigte Hofenfels, „er wird die Angelegenheit vor den Reichstag bringen.“
  Er verharrte einen Augenblick schweigend. Das Ausmaß seines Triumphes war deutlich in den Gesichtern von Vieregg und Lehrbach abzulesen und er spürte, wie sich die Genugtuung in ihm ausbreitete. Sie erfüllte ihn bis in die Haarspitzen.
  „Messieurs“, sagte er und wandte sich ohne Verbeugung ab.
  Während er mit gemessenen Schritten den Saal verließ, schwoll das wieder einsetzende und immer lauter werdende aufgeregte Murmeln zu einem wilden Durcheinander verschiedener Stimmen an. Es war, als ob das Wort Reichstag von allen Wänden widerhallte, um wenige Augenblicke später dem Klang hastiger Schritte zu weichen. Die Diplomaten der verschiedenen Höfe Europas hatten es eilig, ihre Dependancen zu erreichen, um ihre Regenten von der überraschenden Entwicklung der Ereignisse zu unterrichten.
  Hofenfels hatte sie mit einem einzigen Wort aufgescheucht.

 

 

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  Pressestimmen  
       
 

Felix Schmidt in der Tageszeitung

Die Rheinpfalz (30.10.2008)

 

Ränkespiele am Zweibrücker Hof

 

Geboren in Kusel avanciert Johann Christian Freiherr von Hofenfels zu einem der bekanntesten und einflussreichsten Zweibrücker der Geschichte. Ralf Kurz ... legt nun seinen gelungenen historischen Roman über den Außenminister vor. Titel: "Der Diplomat".

 

Mehr als zwei Jahre hat Kurz recherchiert, um das Leben des bedeutendsten Ministers im Dienste von Herzog Carl II. August von Pfalz-Zweibrücken nachzuzeichnen. Er gibt einen Einblick in die europäische Politik Ende des 18. Jahrhunderts, die Hofenfels entscheidend mitgestaltet hat, indem er die Freiheit Bayerns gegen Österreich verteidigte. Doch neben der großen Politik kommt im Roman Alltägliches wie Liebe, Krankheit und Intrigen nicht zu kurz - inklusive einem tragischen Ende.

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Ralf Kurz gelingt es sehr gut, den Leser in die damalige Zeit zu versetzen. Die Beschreibungen der Region machen das Buch gerade für Pfälzer interessant. Der Autor verzichtet meist auf lange, ausufernde Dialoge oder Beschreibungen von Verwandtschaftsverhältnissen, wie man es aus anderen historischen Romanen kennt, und schafft so Spannung und Lockerheit, die den Lesefluss erleichtern. Nur in wenigen Passagen sind die Beschreibungen zu detailliert.

 

Rolf Maass im

Kulturexpress (03.01.2009)

 

Geheimdienste, Intrigen und Diplomatie

 

... Der Roman schildert regionale Ereignisse mit überregionalen Auswirkungen. Es ist die Zeit in der sonst Mantel- und Degenfilme spielen. Geheimdienste und die europäische Diplomatie hatten Hochkonjunktur. Intrigen beherrschten die Höfe der Königshäuser in den Jahren vor der Französischen Revolution, wovon sich der Roman aber nicht allein aufzehren läßt. Ein Wort am Schluss erklärt, die Maximilian abschließend äußert: "Wir haben Hofenfels viel zu verdanken" - ohne ihn wäre Maximilian I. freilich kein König geworden und so steht im Roman weiter geschrieben: "Ohne Hofenfels gäbe es kein freies Bayern".

 

... Es stellt sich die Frage, was will der Autor mit seinem Buch erreichen? Eine Biographie zu Hofenfels ist bereits im Jahre 1990 von Carl Schuster unter dem Titel "Spiegelgespräche des Johann Christian von Hofenfels" publiziert worden. Ein zweites Buch ist deshalb zusätzlicher Natur. Bei historischen Romanen ist zu beachten, welche Form von Staat vertreten wird. Das kann von 1778 - 1787 nur ein absolutistischer sein, die Monarchie hatte das alleinige Überlebensrecht. Denn Demokratie in unserem Sinne gab es nicht. Es geht im Roman keinesfalls um Utopien, wie sie in diesen Jahren auch schon in Mode waren, sondern um das Recht der Selbstbehauptung und um Autonomie.

Ralf Kurz bezieht sich in seinen Quellen über Hofenfels auf eine Arbeit von Herta Mittelberger aus dem Jahre 1934. Der Roman ist darin Baustein. Wichtig für seine Bedeutung ist die Verankerung im Geschichtlichen. Im diplomatischen Dienst findet Hofenfels Bedingungen und Voraussetzungen vor, denen er vor sich und mit seinem Gewissen bereit ist Rechenschaft abzulegen. Das wird ihm postum bescheinigt, denn ohne ihn wäre die Freiheit Bayerns nicht möglich gewesen.

Carsten Jaehner auf

www.histo-couch.de (März 2009)

 

So spannend kann Politik sein!

 

Mit seinem Debütroman präsentiert der Autor Ralf Kurz einen gelungenen Einblick in den Höhepunkt des Absolutismus. Auf höchster Ebene begibt sich Minister Hofenfels von einem Monarchen zum anderen und schafft so ein diplomatisches Netz, das ihm weithin zugute kommen wird. Mit dem Porträtroman über das Leben des Freiherrn von Hofenfels werden geschichtliche Verbindungen geknüpft, die den meisten Lesern vorher nicht so bewusst gewesen sein dürften.

 

Dabei versteht es der Autor, den Leser durch den diplomatischen Dschungel zu führen, ohne bei ihm große Verwirrung zu stiften oder zu hinterlassen. Auch wenn die langen Titel und Namen des Adels gelegentlich für Irritationen sorgen, so führt er die Personen langsam ein, sodass man dem Vorgehen auf dem politischen Parkett gut folgen kann. Dabei leistet er sich sprachlich keine Extravaganzen, sondern formuliert klar und verständlich.

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Auch wenn man gerade in der ersten Hälfte ein gelegentliches Datum oder eine Jahreszahl zur Orientierung vermisst, bietet „Der Diplomat“ einen unterhaltsamen, bisweilen sogar spannenden Einblick in den Weg zu einem Königreich Bayern. Wer mehr über das Haus Wittelsbach und den Machenschaften auf Schloss Carlsberg erfahren will, der ist mit der Lektüre dieses Buches gut bedient. Allen anderen bietet sich eine schöne Geschichtsstunde, in der so manche politische Verhältnisse besser und farbenfroher als in der Schule erklärt werden. So interessant kann Geschichte sein.

 

 
       
 

 

Johann Christian Freiherr von Hofenfels

(1744 - 1787)

 

Gemälde von Anton Graff