RALF KURZ

 

Die Honigspur

 

Kriminalroman

 

Taschenbuch

313 Seiten

Wellhöfer-Verlag (2011)

ISBN: 978-3-939540-88-5

 

Preis: 11,90 EUR

 
 

Inhalt

 
       
 

Beim Überfall auf einen Juwelier in der Freiburger Innenstadt wird eine Kundin, eine Krankenschwester vietnamesischer Herkunft, vor den Augen ihres Mannes erschossen. Eine Überwachungskamera nimmt den Raubmord auf. Die Ermittlungsbeamten - allen voran Kriminalhauptkommissar Steffen Bussard - wissen genau, was geschah. Auf das "warum" fehlt jedoch jeglicher Hinweis.

Schon einen Tag später wird eine Tatverdächtige verhaftet, die versucht hatte, den geraubten Schmuck bei einem Pfandleiher zu versetzen, doch Bussard glaubt nicht an die Schuld der jungen Punkerin.

 

Er vernimmt den Ehemann der Toten und gewinnt eine überraschende Erkenntnis. Offenbar hat die Tote für den vietnamesischen Geheimdienst gearbeitet.

Das BKA übernimmt die Ermittlungen und Bussard ist damit aus dem Spiel. Auch wenn er einsieht, dass der Fall ohne Hilfe des BKA und des BND vermutlich nicht zu lösen ist, gefällt es ihm nicht, auf seinem eigenen Spielfeld ausgewechselt zu werden, denn das Verbrechen wurde in Freiburg verübt und das ist sein Revier.

Dann jedoch geschieht ein zweiter Mord ...

 

 
 

Die Honigspur nimmt den Leser mit auf die Suche nach dem Täter, der einen Mord begangen hat, für den es kein Motiv zu geben scheint. Immer wieder enden die Spuren in Sackgassen, sei es beim vietnamesischen Geheimdienst oder der Tuberkuloseforschung der Freiburger Universität. Erst nach dem zweiten Mord ahnt Kommissar Bussard, dass dem Raubmord ein raffinierter Plan zugrunde liegt.

 

 
       
  Leseprobe  
       

 

Sekunden später wurde die Tür geöffnet. Die Person, die mit zwei schnellen Schritten in den Laden trat, trug Jeans, eine Lederjacke und Lederhandschuhe. Das geschlossene, dunkel getönte Visier des Motorradhelms erlaubte keinen Blick auf das Gesicht und die Stimme klang gedämpft.
   „Überfall! Keine Bewegung!“
   Aus der rechten Außentasche ihrer Lederjacke zog die Person einen Trommelrevolver mit kurzem Lauf und richtete ihn auf Lackner. Der Goldschmied trat unwillkürlich einen Schritt zurück, während seine Augen das glänzende Metall der Waffe fixierten. Die Mündung zeigte direkt auf seine Brust. Sein Mund wurde trocken und sein Herzschlag beschleunigte sich. Für Juwelierläden bestand grundsätzlich ein hohes Risiko und seit über zwanzig Jahren rechnete er mit der Möglichkeit überfallen zu werden. Der Anblick des Revolvers versetzte ihm dennoch einen Schock und er spürte, wie seine Knie weich wurden.
   „Du da! Rüber!“
   Mit einer knappen Bewegung des Revolvers forderte die Person den Kunden auf, sich links neben Lackner zu stellen. Aus den schmalen Händen, den schlanken Beinen und vor allem aus den geschwungenen Hüften, die durch die eng sitzenden Jeans betont wurden, schloss Lackner, dass es sich um eine Frau handeln musste, die gerade sein Geschäft überfiel. Ihre Stimme wurde durch das geschlossene Visier des Helms gedämpft und verfälscht. Eine spätere Identifizierung wurde damit erheblich erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht.
   „Und du auf die andere Seite!“
   Die Kundin, deren Gesicht aschfahl geworden war, hielt sich am Verkaufstresen fest, während sie der Aufforderung vorsichtig hinkend Folge leistete. Lackner, der nun von den beiden Kunden flankiert wurde, stand noch immer reglos hinter seinem Tresen. Er spürte, dass sein Herz raste und seine Atmung sich beschleunigt hatte. Sein Mund war staubtrocken und er schluckte schwer. Die Räuberin zog mit der freien Hand eine weiße, unbeschriftete Einkaufstüte aus ihrer Jacke und warf sie auf den Tresen.
  

 

   „Da rein!“, forderte sie den Goldschmied auf und deutete mit dem Revolver auf die drei Anhänger.
   Mit zitternden Fingern nahm Lackner die Tüte. Er atmete einmal tief durch und zwang sich selbst zur Ruhe, während sein Puls in den Schläfen hämmerte und das Blut in den Ohren rauschte. Es war am besten, keinen Widerstand zu leisten. Wenn die Täterin bekam, was sie wollte, würde sie vermutlich so schnell wie möglich das Weite suchen, ohne dass jemand zu Schaden kam. Der Schmuck war versichert und auch wenn es sich um Unikate handelte, waren sie dennoch nicht unersetzlich. Lackner öffnete die Tüte und verstaute die drei Ketten mit den Anhängern vorsichtig in ihrem Innern.
   Die Räuberin trat einen schnellen Schritt vor und riss Lackner die Tüte aus der Hand. Der Goldschmied wich unwillkürlich vor ihr zurück. Es war irritierend, ihr Gesicht hinter dem getönten Visier nicht sehen zu können. Ohne ihre Mimik zu erkennen konnte Lackner die Täterin nicht einschätzen und wusste nicht, ob sie nervös war und zu einer unbedachten Reaktion neigte. Sie stand einen halben Schritt vom Tresen entfernt und richtete ihre Waffe auf den Kunden, der neben dem Goldschmied stand. Der Mann hatte seine Hände erhoben und sah in die Mündung des Revolvers, der auf seine Brust zielte. Die Räuberin schwenkte ihre Waffe langsam nach links, zielte auf Lackner, schwenkte die Hand weiter und richtete den Revolver schließlich auf die Kundin. Einen qualvoll langen Augenblick geschah nichts, dann blitzte ein Mündungsfeuer auf und der ohrenbetäubende Knall eines Schusses zerriss die Stille im Raum.