RALF KURZ

 

Luzifers Poesiealbum

 

Roman (Jugenddrama)

 

eBook (Kindle Edition)

ca. 103 Seiten

AMAZON (2012)

ASIN: B008B6Q3WE

 

Preis: 0,99 EUR

 

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Buch des Monats Dezember 2013

 

Inhalt

 
       
 

Das Thema:

 

Wenn Eltern von ihren Kindern Erfolge erwarten, die sie in ihrer eigenen Jugend selbst nicht erreicht haben, dann ist ein Scheitern meist vorprogrammiert. Falls diese Kinder in der Schule dann noch Opfer von Mobbing und Cyberbullying werden, so geraten sie in einen Teufelskreis, aus dem sie sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien können.
Der Roman "Luzifers Poesiealbum" zeigt in elf sehr unterschiedlich gestalteten Kapiteln, die durch eine Rahmenhandlung miteinander verbunden sind, wie schnell ein Junge in eine Abwärtsspirale geraten kann, aus der es keinen Ausweg mehr gibt. Schon früh wird dem Leser klar, dass die Geschichte dramatisch enden wird.

 

Die Geschichte:

 

Bei der Besichtigung eines zum Verkauf stehenden Hauses findet der Erzähler im ehemaligen Kinderzimmer ein großformatiges Buch mit dem handschriftlichen Titel "Luzifers Poesiealbum". Als der Erzähler das Buch aufschlägt, entdeckt er ein Foto, das plötzlich ein Eigenleben entwickelt. Die Aufnahme erwacht zum Leben und zeigt drei Szenen, die sich im Umfeld eines Jungen abspielen und in die der Erzähler als allwissender Beobachter mit hineingezogen wird. Jedes weitere Umblättern, bei dem der Erzähler mal ein Foto, mal eine Zeichnung, ein Notenblatt oder andere Relikte aus dem Leben des Jungen findet, birgt ein neues Kapitel einer unheilvollen Geschichte. Alle Szenen spielen sich im Umfeld des Jungen ab, der selbst jedoch nie als handelnde Person auftritt. An seine Stelle tritt der Erzähler, der die Auswirkungen der einzelnen Ereignisse hautnah erfährt.
 

 
 

Der sozialkritische Kurzroman "Luzifers Poesiealbum" richtet sich in erster Linie an Schüler, Eltern und Lehrer und ist konzipiert, als Diskussionsgrundlage im Unterricht zu dienen. Der Umfang beträgt etwa 100 Taschenbuchseiten.

 

 
  Leseprobe  
       

 

Sören drehte sich zur Seite und griff nach seiner Bierflasche.
   „Scheiße, leer“, fluchte er nach dem letzten Schluck.
   Sie hatten sich ein Sixpack geteilt und nun saßen sie auf dem Trockenen. Das war echt Scheiße, denn am Kiosk im Schwimmbad musste man seinen Ausweis vorlegen, wenn man Stoff haben wollte. Man konnte sich nicht mal den Ausweis von jemandem leihen, denn der Kanake im Kiosk überprüfte die Fotos genau. Wenn man niemanden dabei hatte, der schon über achtzehn war, dann war man voll verarscht.
   „Lass uns abhauen“, sagte Sören mürrisch.
   „Echt?“, fragte Maik, „Warum?“
  Es war erst später Nachmittag und es gab keine größere Auswahl an Titten und Ärschen als im Schwimmbad. Maik wollte noch nicht gehen. Nirgends war die Wahrscheinlichkeit größer, endlich mal eine Schlampe aufzureißen, die sich auch ficken ließ.
   „Zur Tanke“, erklärte Sören, doch Maik schüttelte den Kopf.
   „Zwecklos“, erwiderte er, „keine Kohle.“
   „Wieso hast du keine Kohle?“
   „Weil ich pleite bin, Alder.“
   „Pleite?“
   „Yo, Mann, voll pleite.“
   „Fuck!“
   „Echt fuck, ey.“
   „Hast du noch Kippen?“
   „Noch zwei.“
   „Gib mir eine!“
   „Das sind meine letzten, Mann.“
   „Und? Gib mir eine!“
   „Scheiße, Mann.“
   Maik öffnete seine Zigarettenschachtel und gab Sören die vorletzte Zigarette. Die letzte steckte er sich selbst zwischen die Lippen. Mit der hohlen Hand schirmte er die Flamme gegen den Wind ab, während er ihnen Feuer gab.
   „Weiß du, was Opfer kriegen?“, fragte Sören.
   „Klar, Alder“, antwortete Maik, „Opfer kriegen eins auf die Fresse.“
   Sören zog an seiner Zigarette und versuchte erneut, einen Rauchring zu blasen, den der Wind abermals verwehte.
   „Scheiße, Mann“, erklärte er und grinste Maik an, „Opfer kriegen Taschengeld!“

 

 

"Oh, Scheiße! Mann, Mann, Mann ...“
   Ich hatte die Worte laut ausgesprochen, obwohl niemand im Raum war, der sie hätte hören können. Zur falschen Zeit am falschen Ort, dachte ich. Es war leicht zu erraten, was Lukas nach Sörens Erklärung zu erwarten hatte. Die beiden Klassenrowdys, für die ich sie hielt, hatten Lukas zum Opfer gestempelt, weil er sich am ersten Schultag auf den falschen Stuhl gesetzt hatte. Dabei war Opfer nicht das Gegenteil von Täter. Opfer war eine Beleidigung, eine Schmach und bezeichnete einen Zustand, der vermutlich noch unterhalb von Sklave anzusiedeln war. Ich hatte es deutlich gespürt, als Sören dieses Wort ausgesprochen hatte. Ein Opfer war wehrlos, hilflos und rechtlos. Ein Opfer hatte nicht einmal die Möglichkeit der Einflussnahme, sondern war den Gewalten, die über es hereinbrachen, machtlos ausgeliefert.
   Ich schauderte bei dem Gedanken. Nahezu jeder weiß aus eigener Erfahrung, dass es in jeder Schulklasse einen gibt, der in der Hierarchie ganz unten steht. Die Grenzen dessen aber, was man diesem Unglücklichen zumutete, hatten sich seit meiner eigenen Schulzeit weit nach unten verschoben. Es war nicht die Tatsache, dass man Lukas sein Taschengeld abpressen würde, die mich am meisten schockierte, sondern der Umstand, dass er zum Opfer erklärt worden war.
   Ich hatte ein mehr als flaues Gefühl in der Magengegend, dass sich fast bis zur Übelkeit steigerte. Auf den folgenden Seiten würde ich erfahren, was man Lukas angetan hatte, aber ich wollte es nicht wissen. Mir grauste vor den Bildern, die mich erwarteten. Ich wollte keine Schläge sehen, keine Demütigungen und keine Tränen. Ich wollte keine Verzweiflung spüren, keine Hilflosigkeit und keine Angst und ich wollte nicht wissen, wie es am Rand zum Selbstmord aussah. Trotzdem, wie von einem fremden Willen gesteuert, blätterte ich um und fand die Zeichnung einer Teufelsfratze.